Forschung

22.09.2010 Charles von Büren

Wissen schafft Mehrwert

Erfahrungsaustausch im direkten Gespräch fördert das gegenseitige Verstehen. Das war am Dozententag der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für das Holz SAH vom 9. September 2010 an der Hochschule für Technik in Zürich spürbar.

Über 20 Dozierende aus der ganzen Schweiz fanden sich dort zum kollegialen Gespräch ein. Hauptthemen waren Arbeiten im Bereich Holz/Holzbau, die Wissensvermittlung und das Angebot einer im Bereich Verbindungsmittel führenden Firma zu Kurs-Modulen über «Verbindungstechnik im konstruktiven Holzbau». Dozenten aus dem Bereich Holz/Holzbau einzelner Schulen informierten systematisch und detailliert über die Tätigkeiten ihrer Institute. Die Spanne reicht dabei vom rein praktisch ausgerichteten Schulbetrieb bis hin zum auch in Wissenschaft und Forschung tätigen Institut. In der Schweiz, so der allgemeine Eindruck, ist Holz in Technik, Design, Architektur und Ingenieurwesen für zahlreiche Schulen ein wesentliches Thema und zieht Studierende aus unterschiedlicher Herkunft und mit speziellem Interesse an. 

Unterschiedliche Tätigkeiten der Schulen
So etwa betreibt die Schweizerische Bauschule Aarau als praktisch ausgerichtetes Institut seit weit mehr als 100 Jahren Ausbildung auch im Bereich Holzbau. Heinrich Bösch schilderte anschaulich die dort bestehenden Ausbildungsangebote zu den Berufsfeldern Bauführung und Bauplanung. Ziel ist die Ausbildung zum praktisch tätigen Generalisten. Über die Tätigkeiten an der Berner Fachhochschule (Biel und Burgdorf) berichteten die Dozenten Thomas Gurtner, Andreas Hurst und Fritz Mäder. Diese Fachhochschule ist seit jeher voll und ganz auf den Bereich Holz spezialisiert, speziell in den Bereichen Technik, Architektur, Holz und Bau. Das dortige Angebot ist breit und reicht von der Stufe Bachelor bis zum Master of Engineering in Holztechnik. Die Spanne der Berufe reicht vom Säger über Schreiner bis hin zum Ingenieurwissen im Bereich Holzbau. Forschung und Wissenschaft sind in Biel in der Regel an praktisch relevante Themen gebunden. Internationale Verbindungen erweitern den Horizont und die Wissensbereiche.

Sehr vielseitig und dazu dreisprachig ist Andrea Bernasconi tätig, nämlich an der Hochschule für Technik und Architektur Freiburg, an der Haute Ecole d’Ingénierie et de Gestion du Canton Vaud in Yverdon und schliesslich in der Scuola Universitaria Professionale della Svizzera Italiana (SUPSI-Trevano) in Canobbio (Kanton Tessin). In Yverdon ist Holz gleichgestellt wie Beton und Stahl. In Freiburg und in Canobbio sind Bachelor Arbeiten zum Thema Holzbau als Möglichkeit gegeben. Bei diesen Schulen wird der Bezug zur Baupraxis hoch gewichtet und es werden aktiv Verbindungen zum Ausland geschaffen. Bernasconi ist es ein wichtiges Anliegen, das Wie des Holzbaus vor allem auch in den Bereichen Entwurf und Architektur zu vermitteln und zu verankern. Aus der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (Winterthur) berichtete Silvio Pizzio, der dort zu Holzbau im Departement Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen unterrichtet. Bei den Bachelorabeiten sollen die Studierenden aufzeigen, dass sie die theoretisch erworbenen Kenntnisse auch in konkreten praktischen Arbeiten erfolgreich einsetzen können. An der Hochschule für Technik und Architektur Luzern und an der Fachhochschule Nordwestschweiz für Architektur, Bau und Geomatik wird ebenfalls Holzwissen vermittelt, in Luzern als Wahlfach, in Muttenz als Pflichtfach. Dies erläuterte der an beiden Schulen dozierende Christoph Fuhrmann. Wie bei den andern vorgestellten Instituten wird dort der Bezug zur Baupraxis und die Interaktion zwischen Ingenieur und Architekt als wesentlich betrachtet.

An der ETH Zürich ist der Unterricht zu Holz im Rahmen des Departements Bau, Umwelt und Geomatik (D-BAUG) speziell auf künftige Fachleute im Bereich Bauingenieurwesen ausgerichtet. Die entsprechenden Ausführungen von Philipp Hass (Institut für Baustoffe IfB), er sprach in Vertretung von Peter Niemz,  erlaubten einen Einblick in Lehrtätigkeiten dieser universitären Hochschule. Verlangt werden dort wissenschaftlich fundierte Arbeiten die auch den dafür üblichen Präsentationsformen entsprechen. Entsprechend differenziert sind die Themenstellungen, die sich vor allem auf materialtechnische und physikalisch-chemische Untersuchungen zu Eigenschaften von Holz beziehen. 

Skepsis gegenüber dem Bologna-System
Mit deutlichen Worten kritisierte Tagungsleiter Anton Steurer (Hochschule für Technik Zürich) das Bologna-System und die damit verbundene Tendenz der Fachhochschulen, sich an den beiden ETH zu messen, statt eigene Masstäbe zu definieren und damit eigenständige Wege zu gehen. So etwa finden sich an den universitären Hochschulen kaum Studierende, die das Studium auf Stufe Bachelor beenden. Die früher übliche Trennung von universitär-wissenschaftlicher Arbeit zu praktisch ausgerichtetem Wissen hat gemäss Steurer weit besser den in der Berufspraxis wünschbaren Entwicklungen entsprochen. Steurer bevorzugt für seinen Unterricht im Bauingenieurwesen Seminararbeiten, die z.B. das Erkennen und Verstehen von statischen Grundlagen und deren Umsetzung bei einem Bauwerk zum Ziel haben und damit die rein theoretische Ebene verlassen. 

Wissenstransfer für Dozierende
Dozierende an Fachhochschulen stellen beim Unterricht auf ihr theoretisch und praktisch erworbenes Wissen ab, sind aber gleichzeitig auf einen zuverlässigen Informationsfluss über neue Entwicklungen angewiesen. Breites Grundwissen zu Holz und Holzbau vermittelt seit Jahrzehnten die Lignum, Holzwirtschaft Schweiz. Christoph Starck, Leiter der Lignum in Zürich, zeigte die Struktur dieser Dachorganisation und deren Art und Weise der Informationsvermittlung. Die Lignum stellt durchwegs fachlich fundierte und sachbezogene Informationen zu Holz und Holzwerkstoffen in Technik, Gestaltung und Architektur zur Verfügung. Die Kommunikation der Lignum richtet sich an die Endverbraucher und an Fachleute. Aber auch für den Unterricht sind zahlreiche Dokumentationen erhältlich, insbesondere aus dem Bereich der technischen Kommunikation – Holzbulletin und Lignatec. – sowie im Bereich der Fachbücher im Eigenverlag und von befreundeten Verlagen. 

Die Verbindungstechnik ist das Herzstück jeder erfolgreichen Holzkonstruktion. Marcel Thomi von der Firma SFS unimarket Heerbrugg präsentierte Kursmodule zur «Verbindungstechnik im konstruktiven Holzbau». Zur Unterstützung von Vorlesungen werden Dokumente zu den Themen «Verankerungs­technik im Bohrloch für den Holz-, Beton- und Mauerwerksbau» und «Verbindungstechnik im kon­struktiven Holzbau» zur Verfügung gestellt. Ergänzend dazu dienen Kursmodule, denen verständ­licherweise Produkte der Herstellerfirma zugrunde liegen. Im Angebot stehen zudem Seminare für Dozierende oder Fachvorträge der Firma. 

Die SAH informiert gezielt
Die Dozententage der SAH finden periodisch statt, letztmals im Jahr 2007. Sie haben zum Ziel, den Informationsaustausch unter den Dozierenden im Bereich Holz/Holzbau zu ermöglichen und zu fördern. Gleichzeitig werden neue Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung, aus Wirtschaft und Praxis vermittelt. Jährlich wird ein Statusseminar der SAH offeriert. Junge Forschende und Studierende stellen dabei aktuelle Arbeiten aus dem Holzbereich vor. Es lassen sich dort auch Kontakte von Unternehmen mit Forschenden und Dozierenden knüpfen. Die letzte derartige Tagung fand Ende April 2010 statt. Der Wissenstransfer für Dozierende wirkt über diese Kanäle gezielt. Über alle Tätigkeiten dieser Arbeitsgemeinschaft bestens informiert sind die Mitglieder der SAH. Sie erhalten zweimal im Jahr das Bulletin «Holzforschung Schweiz» und regelmässig die Hinweise auf Veranstaltungen.

Schweizer Holzzeitung 2012
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