Werkstoffe

28.09.2010 Susanna Vanek

Was passiert, wenn Holz oberflächlich wird

Beim Symposium für Möbel und Innenausbau, das zum ersten Mal an der Berner Fachhochschule Architektur, Holz und Bau in Biel stattfand, kam unter anderem die Oberflächen von Möbeln zur Sprache. Wird sich die Pulverbeschichtung auch auf Holz durchsetzen, lautete dabei eine Frage, und welche Emissionsgefahr geht von lackierten Flächen aus eine andere.

Ein Trend ging um die Welt: Die Pulverbeschichtung ist seit 20 bis 30 Jahren im Bauwesen, in der Metall- und Automobilbranche aber auch bei Küchengeräten wie Kühlschränken ein grosses Thema. Es sind die Vorteile der Pulverbeschichtung, die die Anwender überzeugen. Pulverbeschichtete Flächen weisen eine hohe mechanische und chemische Beständigkeit auf, sind pflegeleicht und feuchtebeständig. Sie sind systemkompatibel zu Metallbeschichtungen, die Verarbeitung kann vollflächig und nahtlos erfolgen, auch wenn der zu lackierende Gegenstand schon geformt ist. Hinzu kommen umweltfreundliche Argumente, die für das Verfahren sprechen. Pulverlackbeschichtungen sind VOC-frei – VOC, also frei von «Volatile Organic Compounds», die eine schädigende Wirkung auf Mensch und Umwelt haben. Zudem weisen sie auch über keine Lösungsmittel auf, der Overspray ist fast zu 100 Prozent recycelbar. Kurz und gut, Pulverbeschichtungen haben in Sachen Qualität, Wirtschaftlichkeit und Umweltfreundlichkeit die Nase vorn. Dies belegt auch eine Ökoeffizienz-Studie über UV-Lacke in Abwandlung zu Niedertempe«raturholzpulverlacken, die BASF, Tiger, Hersteller von Niedertemperaturholzpulverlacken, Österreich, IGP, Pulverhersteller, Schweiz, Fritz Egger GmbH & Co., MDF-Plattenfabrikant, Deutschland-Österreich und Ramseier Woodcoat, Pulverbeschichtung von Holzsubstraten, Schweiz, belegt hat. Trotzdem ist die Pulverbeschichtung beim Holz und bei Holzwerkstoffen noch kein Thema. Warum das trotz der Vorteile der Fall ist und wie die künftige Entwicklung sich präsentiert, das zeigte Klaus Rehm von der Berner Fachhochschule Architektur Holz Bau Biel in seinem Vortrag an den Interior Days, die die Fachhochschule durchführte, auf. Rehm glaubt, dass die Holzindustrie das Potential hat, dereinst 10 Prozent des Pulverlackmarktes zu besetzen. Dies wegen den bereits erwähnten Vorteilen für den Kunden und den Verarbeiter. Im Moment ist die Holzindustrie aber weit von diesen Zahlen entfernt. Wo also, fragte Rehm, liegt der Haken? Warum setzt sich beim Holz nicht durch, was sich andernorts bestens bewährt hat? Rehm ortet das Problem in den Materialeigenschaften, über die der zu beschichtende Werkstoff verfügen muss. Material, das via die Pulverbeschichtung Farbe erhält, muss kurzzeitig Temperaturen von 120 bis 130 Grad auszuhalten imstande sein. Zudem braucht es eine minimale elektrische Leitfähigkeit und gute mechanische Eigenschaften, insbesondere eine Querzugsfestigkeit. Das stellt die Holzbranche vor besondere Herausforderungen.

Der Haken an der Sache

Die Ist-Situation ist, dass in Europa bisher hauptsächlich pulverbeschichtbare leitfähige MDF-Platten vor allem mit Niedertemperatur-Pulver bearbeitet werden. Was den Durchbruch der Pulverbeschichtung beim Holz noch bremst, ist der Umstand, dass ein Produzent, der in seinem Betrieb das Verfahren einführen möchte, nicht einfach eine Anlage hinstellen und loslegen kann. Vielmehr muss er erst ein bis zwei Jahre mit der Technologie experimentieren, denn sie funktioniert auf Holz noch nicht zuverlässig. Das Material kann reissen, oder es kann zur Blasenbildung kommen. Das bedingt, dass wer auf die Pulverbeschichtung setzen möchte, einen langen finanziellen Atem braucht. Da die Pulverbeschichtung bei der Herstellung von Möbeln und Ähnlichem zudem den letzten Produktionsabschnitt darstellt und sie nicht ganz sicher ist, gefährdet diese Art zu lackieren die ganze Arbeit. Wer aber will und kann nach dem Lackieren mit der Arbeit wieder von vorne beginnen? «Es gibt derzeit nur ein sehr enges Prozessfenster», analysiert Rehm. Den Holzverarbeiter stelle die Pulverbeschichtung ebenfalls vor besondere Herausforderungen, müsse er doch gewisse Vorgaben ganz genau einhalten, zum Beispiel bezüglich der Oberfläche oder der Klimatisierung.

Ideal für Küche und Bad

Konkret ist die Anwendung der Pulverbeschichtung bei MDF gut bis problematisch, bei Sperrholz ebenfalls, bei Spanplatten bedingt möglich, bei laminierten Spanplatten, grundierten oder lackierten Oberflächen möglich. Welche Produktepalette bietet sich für Pulverbeschichtungen an? Rehm erwähnt Küchen- und Badmöbel, da diese einer grossen Beanspruchung ausgesetzt sind. Auch Formsperrholz zum Beispiel für Stühle sei gut geeignet. Auch diese hätten hoch beanspruchte Oberflächen. Hier würden bereits auch schon Verfahren existieren. Bei Fenster- und Hausverkleidungen seien Verfahren in Vorbereitungen, so Rehm. In Deutschland gebe es zudem eine Firma, die Vollholz für Fenster beschichten möchte. In den letzten Jahren, so Rehm, seien bei der Pulverbeschichtung auf furnierte Holzwerkstoffe und auf Vollholz Fortschritte gemacht worden. Die Pulverbeschichtung müsse nicht immer nur farbig sein, es gebe auch Klarlack.

Rehm ortet in der Pulverbeschichtung ein grosses Potential, auch wenn das Verfahren im Moment noch kaum genutzt wird. Erfolgreiche Andwendungen würden indes eine enge Zusammenarbeit zwischen dem MDF-Beschichter, dem Architekten und dem Planer bedingen, meinte er zum Schluss. Bei den Schreinern sei die Hemmschwelle – noch – gross, das Verfahren anzuwenden. Auch die Industrie hätte noch die Hemmschwelle, als Abschluss eines Produktionsprozesses auf ein Verfahren zu setzen, dass die ganze vorherige Arbeit zerstören kann.

Emissionen

Ingo Mayer von der Berner Fachhochschule Architektur, Holz, Bau Biel ging der Frage nach, wie lackierte Oberflächen emittieren und wie sie das Innenraumklima beeinflussen. Das sei eine wichtige Frage, weil der Mensch täglich zwischen 15 bis 20 Kubikmeter Luft einatmet. Dabei erwähnte Mayer, dass selbstverständlich auch die Lebensumstände eine Rolle spielen beziehungsweise ob ein Luftwechsel gewährleistet sei, das sei insbesondere bei hoch gedämmten Häusern wichtig. Bei lackierten Flächen hätten die Endverbraucher insbesondere ein Interesse, die VOC-Emissionen von lackierten Lacksystemen zu kennen. Dabei könnten sie beruhigt sein, denn emittierte lackierte Oberflächen würden nicht stark emittieren, so Mayer. Allerdings würden Lösungsmittel während der Aushärtung starke VOC-Emissionen auslösen. Wasserverdünnbare Lacksysteme hätten bei einer Applikation eher vergleichsweise niedrige Emissionswerte. Es bestünden zwischen den einzelnen Systemen einige Unterschiede.Das Fazit von Mayer: Beim Innenraumklima sei die Schadstoffbelastung wichtig. Die Emissionen von Lackoberflächen seien zwar gering, aber optimierbar.

Schweizer Holzzeitung 2012
Alle Rechte vorbehalten

Kommentare und Bewertungen Kommentar schreiben

Durchschnittliche Bewertung dieses Artikels: starstarstarstarstar (0 Bewertungen)
Ihre Bewertung dieses Artikels:

Zum Bewerten klicken Sie bitte auf die Sterne

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.

Newsletter

Beliebte Beiträge

18.08.2010

Eigenschaften von Eichenholz

Eichen sind tief im Erdboden verankert und dementsprechend weniger gegen trockene Sommer anfällig. S...

14.05.2012

Bundesrat verpasst eine Chance

Der Bundesrat will auf den Rückgang der Buchennachfrage nicht reagieren, indem die öffentliche Hand ...

22.09.2011

Pfeifer kommt nach Domat/Ems

Das österreichische Holzunternehmen Pfeifer GmbH & Co hat das Areal der Grosssägerei in Domat/Ems er...

30.08.2010

Mobile Blockbandsägen: Sie ersparen unnötige Transporte

Die regionale Nutzung des Holzes ist im Trend und damit rücken mobile Blockbandsägen in den Blickpun...

30.08.2012 - 02.09.2012
BAUEN & MODERNISIEREN (Altbau-Modernisierung)

Schweizer Messe für Neubau, Umbau, Renovation, schöner Wohnen mehr...

04.09.2012 - 07.09.2012
SMM

shipbuilding, machinery & marine technology mehr...

07.09.2012 - 09.09.2012
SOLTEC

Fachmesse für Sonne und Energie mehr...

Umfrage

Wurden in Ihrem Betrieb schon Massnahmen umgesetzt, um Energie zu sparen?