Forst & Landmaschinen

01.10.2010 Susanna Vanek

Trends bei der Forsttechnik

Die Krise hat dazu geführt, dass sich die Branche bei der Forsttechnik wieder auf das Wesentliche besinnt. Die Zeit der teuren Spielereien ist vorbei, dafür wird mehr auf eine gute Bodenverträglichkeit geachtet.

Es gab Zeiten, da belächelten die Skandinavier die Bemühungen der Mitteleuropäer in Sachen Bodenschutz bei der Forstarbeit. Lange
Frostperioden mit gefrorenen Böden machten ihnen eben die Holzerntearbeiten einfacher. Tempi passati. Auch im Norden sind mittlerweile
die langen Frostphasen seltener geworden, ist es notwendig, auch feuchte Böden mit den Holzerntemaschinen zu befahren. Bei zu schweren Maschinen kann
das den Boden aber schädigen, was nicht nur schlecht für den Umweltschutz, sondern schlussendlich
auch für die Wald- und damit die Volkswirtschaft ist. Die gute Nachricht: Das Problem wurde von den Forstbetrieben und -unternehmen erkannt. Was
dazu führte, dass bei der Forsttechnik «immer grösser und immer schwerer» nicht mehr gilt. Das liegt zu einem grossen Teil an der Zielgruppe,
die sich für Boden- und Umweltschutz sensibilisieren liess. «Die Käufer wollen grössere Auflagenflächen, also Raupen über den Pneus, damit die Bodenbelastung kleiner wird», sagt etwa Simon Zahner von Keller Forstmaschinen, «Partikelfilter sind ebenfalls ein Muss. Wegen des Konkurrenzdrucks kann es sich heute kein Hersteller leisten, die Wünsche der Käufer zu missachten. Und die wollen ganz klar Nachhaltigkeit.» Dieselpartikel-Filter finden. in der Tat auch bei Traktoren immer
mehr Verwendung, viele Hersteller bieten Nachrüstungen an, auch wenn der Gesetzgeber diesbezüglich noch nichts vorschreibt. Der nächste wichtige Schritt erfolgt auf europäischer Ebene mit der Einführung der EU-Stufe IIIB in den Jahren 2011 bis 2013, abgestuft nach Leistungsklassen.
Die Schweiz plant, die europäischen Vorschriften zu übernehmen. Fakt ist zudem, dass in der momentanen Wirtschaftskrise Spielereien ganz einfach nicht
gut ankommen. Was hergestellt wird, soll für den mitteleuropäischen Wald tauglich sein. Punkt. Das führt zu soliden Detailverbesserungen, Experimente sind weitgehend verpönt. Exoten bleiben dabei die übergrossen Forstmaschinen von Caterpillar, die wohl eher für Kahlschlagwirtschaften
n Russland oder Nordamerika bestimmt sind. Abgespeckte Riesen Gewichtsreduktionen beobachtet man demnach bei vielen neuen Modellen der Forstmaschinen. Erreicht wird das leichtere Gewicht durch leichtere Rungen oder kleinere Motoren. Weiter sorgt eine grössere Auflagefläche für eine bessere Verteilung des Gewichts und damit für eine geringere Bodenbelastung. Viele Hersteller setzen auf 8-Rad- Maschinen mit relativ breiten Reifen
und überbreiten Boogiebändern. Es gibt weiter Beispiele von Forstmaschinen, bei denen eine geschicktere Platzierung der Aufbauten für das geringere Gewicht verantwortlich ist. Diese Neuanordnung ermöglicht teilweise sogar bessere Sichtverhältnisse für den Fahrer. Aus der Not wurde also eine Tugend.

Gedacht haben die Hersteller auch an den Fahrenden. Ergonomie ist für viele Hersteller ein Muss, genauso wie Vibrationsschutz und angenehme Kabineninnenraumtemperaturen. Beim Antrieb blicken viele auf die Automobiltechnik. Dabei hat die Forsttechnik ihr einiges voraus, jedenfalls
beim Antrieb. Haben Automobilmotoren mit Hybridtechnik den Elektromotor lediglich als Ergänzung um Verbrennungsmotor, so ist es beim EL-Forest F 15 von Volvo
genau umgekehrt: Der Elektromotor ist der eigentliche Antrieb, der Verbrennungsmotor von 60 kW die Ergänzung. Mit dem weltweit ersten Rückezug mit Hybridantrieb
gelang dem Automobilhersteller Volvo nach einer 30-jährigen Abstinenz ein fulminanter Neueinstieg in den Forstmaschinenmarkt. Möglich gemacht hat die Innovation
eine kleine nordschwedische Firma, bei der sich Volvo eingekauft hat. Der sechsrädrige Forwarder, der starke Elektromotoren an jeder Radnabe hat, soll einen bis zu 50 Prozent geringeren Kraftstoffverbrauch haben. Weil dadurch auf eine herkömmliche Antriebstechnik verzichtet werden kann, ist das Fahrzeug auch wesentlich leichter
und beweglicher. Dass Volvo mit dem Hybridantrieb nicht auf dem Holzweg ist, beweisen andere Hersteller, die ebenfalls auf diese Motoren setzen, etwa John Deere. So oder so ist Spritsparen im Trend – wie in anderen Branchen auch. Es gibt Softwares, die die Treibstoffeinsparung ermöglichen. Weiter ist auf dem Markt eine Software erhältlich, die das an Waldstrassen liegende Holz erfasst und dessen Abfuhr logistisch optimiert. So spart der Waldeigentümer zwei Franken pro Kubikmeter Holz – und die Natur dankt es ihm erst noch. Nicht für die Schweiz Das Holzfällen ist eine der ältesten Arbeiten. Gegenüber anderen Wirtschaftszweigen setzte jedoch die Mechanisierung der Waldarbeiten spät ein. Die Automatisierung schreitet derzeit weiter voran, was die Schweiz aber weniger tangiert. Wie bei den Erntemaschinen ist auch bei den Sägen heute die Mechanisierung nicht mehr wegzudenken auch wenn bis zu den 1920er-Jahren lediglich Äxte zum Einsatz kamen. Heute führt der Weg bei den Motorsägen immer mehr in Richtung elektronisches Motormanagement, wie Marc Zwahlen von der Firma Stihl bestätigt. Mit dem 441 D-M will sein Unternehmen noch dieses Jahr eine solche bedienerfreundliche Säge auf den Markt bringen. Der genaue Zeitpunkt der Lancierung steht indes noch nicht fest, sagt Zwahlen, der eigentlich gar nicht richtig für die neue Säge werben möchte. Offenbar befürchtet er Lieferengpässe.

Schweizer Holzzeitung 2012
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