02.02.2012 | Susanna Vanek

Shigeru Ban zu Gast bei der Schweizer Baumuster-Centrale

Auf Einladung des Trägervereins SBCZ «freunde-baumuster.ch» und der Sektion Zürich des SIA Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein sprach der japanische Stararchitekt Shigeru Ban gestern in Zürich nicht nur über seine bekannten Bauwerke wie den Holzbau Centre Pompidou Metz oder das Golfclubhaus Haesley Nine Bridges in Südkorea, sondern auch über sein Engagement zugunsten von mittellosen Katastrophenopfern.

Bild: Susanna Vanek
Shigeru Ban während seines Vortrages in Zürich.

Werner Rüegger, Geschäftsleiter der Schweizer Baumuster-Centrale, war die Freude über das Zustandekommen des Vortrages von Shigeru Ban, anzusehen. Er hatte viel Energie und Zeit in das Vorhaben gesteckt und am Schluss klappte alles wie am Schnürchen. Der japanische Stararchitekt Shigeru Ban traf pünktlich an der Weberstrasse 4, dem Sitz der Schweizer Baumuster-Centrale, ein. 250 Personen warteten dort auf seinen Vortrag, über 500 hatten sich dafür interessiert. Für die Baumuster-Centrale, die sich neu als Plattform für Fachleute zu aktuellen Themen rund ums Bauen positionieren will, ein toller Start. Rüegger äusserte sich erfreut darüber, dass Bans Partner für die Holzbauten aus der Schweiz stammen: Hermann Blumer, das Unternehmen Blumer-Lehmann, Design to Production sowie sjb kempter + fitze ag.

Ab März 2012 wird in Zürich der erste Bau von Shigeru Ban, der Tamedia-Neubau, aus Holz und Glas realisiert. Der Computerspezialist Fabian Scheurer von Design to Production, Erlenbach, erläuterte zu Beginn, dass die Planung eines Baus wie des Centre Pompidou in Metz oder des Golfclubs Haesley Nine Bridges in Südkorea eine Teamarbeit darstellt. So galt es, anhand der Beschreibung und der Computersimulationen des Golfclubs Bauteile herzustellen. Franz Tschümperli von sjb kempter + fitze ag entwickelte sie. Bei deren Produktion bildete der Umstand, dass es für den Bau 3500 verschiedene Teile benötigte, die Schwierigkeit. Es mussten 500 verschiedene Files von Maschinendaten geschrieben werden. Nach der Produktion bei Blumer-Lehmann wurden die Teile in einem Container nach Südkorea verschifft. Feurer betonte, für die Leistung sei ein Team verantwortlich, und Ban verstehe sich nicht als den Star, sondern als Teil des Teams.

Spiel mit der Transparenz

Gutgelaunt und witzig stellte Ban seine Bauten vor. Er erläuterte, wie er sich bei den beinahe transparent wirkenden Häusern, die er realisierte, von traditionellen japanischen Bauten beeinflussen liess. Dabei entwickelte er neue Konzepte, zum Beispiel ein Haus, das aus neun Quadraten besteht und das keine feste Zimmeraufteilung besitzt, weswegen man das Bett je nach Jahreszeit in einen anderen Hausteil stellen kann. Mit der Offenheit gespielt hat Ban auch beim Swatch Flagstore in Tokio, bei dem die grossen Fenster der Fassade zurückgezogen werden können. In der offenen Lobby hat es hydraulische Lifte und eine Wand mit einem Hängegarten. Die oberste Bedachung stellt übrigens einen Prototypen der Dachkonstruktion von Metz dar. Er arbeite gerne mit Holz, meinte Ban.

Zum Centre Pompidou erläuterte Ban, dass er das Museum habe öffnen wollen. Die drei Galerien bieten alle Einblicke, die Eingangshalle ist offen und frei zugänglich.

Ban schilderte auch, wie er dazu kam, mit Karton zu arbeiten. Bei der Expo 2000 in Hannover sei es ihm wichtig gewesen, eine Konstruktion zu schaffen, die leicht abgebrochen und recyclet werden konnte. So kam er auf die Idee, mit Kartonröhren zu arbeiten. Flugs erfand er dazu eine Papiermembran, wasserdicht und feuersicher. Nach dem Erdbeben in Kobe 1995 baute Ban dort eine temporäre Kirche, die schliesslich zehn Jahre stand. Seine Erkenntnis: Es kommt nicht auf das Baumaterial drauf an, sondern daran, dass sich die Leute in einem Bau wohlfühlen, dass sie ihn mögen. Wenn sie das tun, dann möchten sie ihn behalten, dann bleibt er stehen.  

Einsatz für Opfer

1994 gab es in Ruanda 2 Millionen Flüchtlinge. Sie bekamen Plastikplachen und schnitten Bäume, um Stäbe zu basteln und ein Zelt bauen zu können. Ban sah das und handelte. Er brachte ihnen Stäbe aus Kartonröhren, um die Bäume zu schützen. Seither engagiert er sich für diejenigen, die alles verloren haben. In Kobe stellte er temporäre Häuser aus Kartonröhren her, die er auf Bierkästen stellte, um sie vor der Feuchtigkeit am Boden zu schützen. So blieb auch das Innere trocken. Im Gegensatz zum Plastik, das sich stark aufheizt, böten Unterkünfte aus Karton Obdachlosen ein angenehmeres Wohnklima, berichtete Ban, der bei seinem Vortrag immer wieder für Lacher sorgte, weil er so witzig erzählte.

Der Meister der Transparenz weiss, wie wichtig die Privatsphäre ist. Seinen Vortrag schloss er mit dem Erdbeben in Japan vom letzten Jahr. Danach wurden die Obdachlosen in grossen Turnhallen untergebracht. Mit Stangen und Tüchern unterteilte Ban den Raum, damit jede Familie einen eigenen Rückzugsort erhielt.

Nach dem Vortrag konnte, wer wollte, mit Ban plaudern. Er ist ganz offensichtlich ein Stararchitekt ohne Allüren.

 

 

Schweizer Holzzeitung 2012
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