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Die Schweizer Forstwirtschaft realisiert mit ihren Kunden der Holzindustrie Umsätze in dreistelliger Millionenhöhe. Weil Forstingenieure, welche die Probleme, Chancen und Bedürfnisse ihrer Kunden vertieft kennen, besser auf dem Holzmarkt agieren können, bietet die Landwirtschaftliche Hochschule Zollikofen ihren Studierenden im Studiengang Forstwirtschaft neu ein Wahlmodul «Sägereien» an.
Während Jahrzehnten war klar: wer in der Schweizer Waldwirtschaft Karriere machen will, bildet sich an der ETH Zürich zum Forstingenieur oder zur Forstingenieurin aus. Da sich das ETH-Forststudium jedoch immer mehr auf die allgemeinen Umweltwissenschaften und Waldökologie auf Master-Stufe ausrichtete, setzte sich die Konferenz der kantonalen Forstdirektoren erfolgreich für die Schaffung eines ganz auf die Forstpraxis ausgerichteten Bachelor-Studiengangs auf Fachhochschulstufe ein. 2003 begannen die ersten Studierenden ihr Studium an der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft (SHL) in Zollikofen und seither ist dort eine stattliche Waldabteilung mit wachsenden Studierendenzahlen herangewachsen.
Drei Vertiefungsrichtungen
Im Grundstudium lernen die Studierenden das breite Aufgabenspektrum rund um die Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen des Waldes kennen und schaffen sich die naturwissenschaftliche Basis auf Hochschulniveau. Darauf aufbauend stehen drei Vertiefungsrichtungen zur Wahl:
• Wald- und Holzwirtschaft
• Gebirgswald und Naturgefahren
• Wald und Gesellschaft
Diese drei Vertiefungen werden ergänzt durch zahlreiche weitere Wahlfächer in den unterschiedlichsten Richtungen. Durch diesen modularen Studienaufbau haben die Studierenden die Möglichkeit, sich ein sehr individuelles Profil für die spätere Laufbahn zuzulegen. Der junge Forstwart, der beispielsweise eine Kreisförster-Stelle im Oberland anstrebt, wird sich schwerpunktmässig auf die Fächer der Verfahrenstechnik und des Gebirgswaldmanagements konzentrieren, während einer Gymnasiastin aus der Agglomeration womöglich ökologische und politische Aspekte näher liegen und sie daher eher die Vertiefung Wald und Gesellschaft wählt und diese mit pädagogischdidaktischen Fächern ergänzt. Am Schluss des Studiums finden wichtige Synthesemodule statt, in denen das Gelernte in konkreten Fallstudien zusammengeführt wird. Den praxisnah ausgebildeten Forstprofis stehen dann vielseitige Tätigkeiten in der klassischen Forst- und Holzwirtschaft, im Planungs- und Ingenieurwesen sowie allgemein an den Schnittstellen zwischen Wald, Landschaft und Gesellschaft offen.
Sägerei-Wahlmodul
Praxisnähe heisst auch, sich mit den Absatzmärkten zu beschäftigen. «Die Schweizer Forstwirtschaft realisiert mit ihren Kundenbranchen Umsätze in dreistelliger Millionenhöhe», erläutert Stefan Brülhart, der an der SHL im Studiengang Forstwirtschaft die holzwirtschaftlichen Fächer koordiniert und ergänzt: «Die Sägeindustrie nimmt dabei mit Abstand die wichtigste Rolle ein. Forstingenieure, welche die Probleme, Chancen und Bedürfnisse der Kunden vertieft kennen, können besser auf dem Holzmarkt agieren. Deshalb bietet der Studiengang Forstwirtschaft der SHL ihren Studierenden Module an, in welchen sie die Abnehmerbranchen profund kennenlernen können.»
Eines dieser Wahl-Module, welches im vergangenen Quartal zum zweiten Mal angeboten wurde, heisst «Sägereien, die umsatzstärksten Abnehmer der Forstwirtschaft». Hier erfahren die Studierenden alles wissenswerte über die Sägerbranche und lernen technische, betriebswirtschaftliche und branchenpolitische Zusammenhänge kennen. Schwerpunkt dieses Moduls bilden folgende Inhalte:
• Geschichtliche Entwicklung
• Technologien und Sägewerkstypen
• Branchendaten und -struktur
• Verband/Branchenpolitik/Medien
• Schnittholzprodukte und Restholz
• Schnittarten und Schnittbilder
• Einteilen/Ausbeuteberechnung/Kalkulation
• Betriebswirtschaftliche Zusammenhänge
Zusammenhänge besser verstehen
Ergänzt wird das Modul durch eine oder zwei Exkursionen in Sägereien. Einerseits sollen die Studierenden mindestens einmal eine Sägerei von innen gesehen haben, andererseits bietet sich so die Möglichkeit, am Rundholzplatz – sozusagen der direkten Schnittstelle zwischen Forstwirtschaft und Holzbranche - Rundholz einzuteilen, zu beurteilen und danach der Schnittholzqualität gegenüberzustellen.
Unterrichtet wird das Modul von Thomas Lüthi, einem gelernten Säger und Holztechnik-Ingenieur. Als selbständiger Dienstleister und Berater für Unternehmen der Holzbranche kennt er die Sägerbranche nicht nur vom technischen Standpunkt her, sondern kennt auch die branchenspezifischen und betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge bestens. «Nur wer weiss, wie hoch beispielsweise der Materialanteil eines Sägewerkes ist oder was es betriebswirtschaftlich bedeutet, für mehrere Monate Rundholz vorfinanzieren zu müssen, kann die Wünsche und Forderungen der Säger verstehen,» so Lüthi. Und Hansruedi Streiff, Direktor von Holzindustrie Schweiz (HIS) und selbst Forstingenieur, ergänzt: «Die Holzindustrie freut sich, dass die SHL Zollikofen dieses Modul anbietet und dadurch die künftigen Entscheidungsträger der Forstwirtschaft vielleicht etwas mehr Verständnis für die existenziellen Anliegen ihrer Kunden, der Sägereien, entgegenbringen.» Streiff unterstützt Lüthi als Gastreferent zu den Themen über Verband, Branchenpolitik und -struktur. (TL)
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