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Der Kanton Thurgau schöpft sein Energieholzpotenzial schon heute gut aus. Das zeigt ein Ende 2011 erschienener Bericht. Die aktuelle Nutzung von 150 000 Festmetern liesse sich laut Prognosen nochmals um gut 40 Prozent steigern. Fraglich ist aber, ob das Potenzial der Privatwälder genutzt werden kann.
Der vom Departement für Inneres und Volkswirtschaft in Auftrag gegebene Bericht bringt den Thurgauer Waldbesitzern gute Nachrichten. Denn in ihren Wäldern schlummert noch eine beachtliche Reserve: Das noch nicht ausgenutzte Energieholz-Potenzial wird auf 65 000 Festmeter pro Jahr geschätzt. Es setzt sich zusammen aus Waldholz (25 000 Festmeter), Altholz (30 000 Festmeter) und Flurholz (10 000 Festmeter).
Insbesondere in den Privatwäldern liegen noch relative grosse Holzvorräte. Diese zu nutzen, ist aber schwierig. Nicht die Fäll- und Transportarbeiten sind das Problem, sondern ein wenig ausgeprägtes Bewusstsein für die Ressource Wald. Privatparzellen werfen oftmals nur geringe Erträge ab und werden deshalb nicht als Einkommensquelle betrachtet. «Viele Eigentümer wissen nicht einmal, dass sie ein Stück Wald besitzen», sagt Christoph Aeschbacher, Geschäftsführer von Holzenergie Schweiz. «In der Schweiz sind die Parzellen sehr klein, oft als Folge von Erbteilungen. Diese Zersplitterung bereitet den Förstern schon bei normalen Holzschlägen Schwierigkeiten, denn wenn nicht alle Eigentümer einverstanden ist, darf man nicht fällen.» Die durchschnittliche Parzellengrösse beträgt in der Schweiz 1,5 Hektaren, in vielen Kantonen liegt sie nochmals tiefer. «Es ist sehr schwierig, die Besitzer abzuholen», meint Aeschbacher. Das Energieholzpotenzial in Privatwäldern auszuschöpfen, werde deshalb nicht einfach.
Dabei wären die Voraussetzungen nicht schlecht: Der Energieträger Holz ist im Kanton Thurgau gut akzeptiert. Zwischen 1992 und 2009 wurde die Energieholznutzung mehr als verdoppelt. Heute werden schon über 500 Pelletheizungen betrieben, pro Jahr verfeuert man in ihnen knapp 10 000 Festmeter Holz. Sechs weitere Anlagen mit einem projektierten Bedarf von 18 000 Festmetern sind in Planung. Die Grösste soll in Arbon stehen und pro Jahr rund 7000 Festmeter Altholz verbrennen.
Neben der verstärkten Nutzung des Energieholz-Potenzials sieht der Bericht des Kantons auch den technischen Fortschritt als Holzlieferanten: Der Ersatz bestehender Anlagen durch moderne und effizientere Technologie wie etwa Rauchgaskondensation soll Energieholzmengen frei werden lassen. Den Minderverbrauch beziffert der Bericht auf 10 bis 20 Prozent. Hier setzt Aeschbacher ein Fragezeichen: «Viele Wärmeversorgungen in der Schweiz wurden nicht optimal konzipiert. Ihre Rücklauftemperaturen liegen deutlich über 50 Grad, was für die Kondensation der ideale Wert wäre.» Man dürfe nicht nur die Heizkessel anschauen, sondern müsse das gesamte System betrachten: Der tatsächliche Wirkungsgrad vieler Anlagen liege deutlich unter jenem des Prüfberichts, weil sie tendenziell zu gross dimensioniert worden seien.
Dass die technischen Altlasten die Verbreitung der Holzenergie zeitweise hemmen, ist für Aeschbacher aber kein Grund für Trübsal: «Holzenergie ist ein Universalgenie. Vom Minergie-Haus, das man mit einem Kachelofen samt Verteilsystem beheizen kann bis zur grossen WKK-Anlage kann Holz fast alle Wärmebedürfnisse abdecken.»
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