Mit einem Paukenschlag endete das Konkursverfahren des Sägewerks in Domat/Ems: Ersteigert wurde die Anlage für 20,05 Millionen Franken – ohne Baurecht – von der Klausner Holz Thüringen GmbH KHT. Dieses Unternehmen war vorher nie namentlich als Interessent für die Grosssägerei in Erscheinung getreten. Was mit der Anlage passiert, steht noch nicht fest. Das Unternehmen will erst in 14 Tagen darüber informieren, wie Anne Leibold von KHT dem Holz-Portal sagte. Derweil verkündet Waldwirtschaft Graubünden, dass sie auch ohne Sägewerk für die Zukunft gerüstet ist.
«Jetzt werden sie wohl jammern», meinte vor der gemeinsamen Medienkonferenz von Bündner Branchen-. Standort- und Kantonsvertretern eine Journalistin. Sie sollte sich irren. Auch wenn die Anlage in Domat/Ems definitiv abgebaut iwird und Graubünden seinen Traum von der Grosssägerei also begraben muss, zeigten sich die Vertreter optimistisch. Die beispiellosen Aktivitäten hätten neue Wege der branchenübergreifenden Zusammenarbeit geebnet, lobte Regierungsrat Mario Cavigelli. «Die öffentliche Diskussion im Zusammenhang mit den neuartigen Lieferverträgen hat die Wichtigkeit der Waldpflege und das Problem der hohen Bewirtschaftungskosten aufgezeigt. Die Pionierleistung der Waldbesitzer und Vermarktungsorganisationen hat im Kanton Graubünden neue Kräfte für die Waldbewirtschaftung gebündelt, die uns auch ohne Sägerei erhalten bleiben. Mit der anstehenden Totalrevision des Waldgesetzes setzen wir für die nötigen Strukturverbesserungen in der Forstwirtschaft auch im rechtlichen Bereich neue Akzente», so Cavigelli. Kantonsförster Reto Hefti glaubt, dass das Modell der Lieferverträge Schule machen könnte, weil die Vorteile für die Waldwirtschaft überwiegen. Allerdings hätte die Zeit nicht ausgereicht, um das den ausserkantonalen Waldbesitzern klar zu machen. Hefti freute sich dafür darüber, dass die Bündner innert kurzer Zeit die Lieferung von fast 160 000 Kubikmeter Rundholz zugesagt hatten.
Zu wenig Zeit
Sie sicherten sie der Tiroler Egger-Gruppe zu, die mit Klausner und Schweighofer ein verbindliches Angebot für das Sägewerk eingereicht hatte und dieses als einzige weiter betreiben wollte. Egger erhöhte sein Angebot am Auktionsverfahren von gestern, 27. Juni 2011, jedoch nicht und sagte die Teilnahme an der Versteigerung am Montagmorgen kurzfristig ab. Trotz intensiver Bemühungen sei es nicht möglich gewesen, ausreichende Mengenzusicherungen für Rundholzlieferungen ausserhalb Graubündens zu erhalten, liess Egger nach 16 Uhr per Pressemitteilung verlauten. Damit seien die Voraussetzungen für einen nachhaltigen und wirtschaftlichen Betrieb des Sägewerkes nicht erfüllt gewesen. «Wir bedauern, dass wir nicht zu einer tragfähigen Lösung gekommen sind. Leider war die Zeit zu kurz, um die notwendige Liefermenge von insgesamt 300000 Festmeter Rundholz im Jahr vertraglich voll abzusichern. Ich möchte mich bei allen, die uns in den letzten Wochen sehr engagiert unterstützt haben, für ihren grossartigen Einsatz bedanken. Mein besonderer Dank geht an die Vertreter der Behörden und Forste aus Graubünden und an all jene, die das Projekt unterstützt haben», so Walter Schiegl, Leiter Produktion und Technik der Egger Gruppe. Möglich ist, dass neben den fehlenden Zusicherungen auch der Preis eine Rolle spielte. Schiegl hatte im Vorfeld eingeräumt, dass die Egger-Gruppe sich eine Limite für den Kauf gesetzt habe. Die 17,13 Millionen, die die Holzindustrie Schweighofer srl, Rumänien, eine Tochter der Schweighofer-Gruppe, geboten hatte, bezeichnete er als «hoch» und erläuterte, viel darüber werde sein Unternehmen nicht gehen. KHT hat das Angebot aber auf 20,05 Millionen Franken erhöht, was Egger möglicherweise zu viel war.
Quo vadis?
Bis zum 1. Juli 2011 hat KHT Zeit, den Betrag von 20,05 Millionen Franken zu überweisen. Anne Leibold von KHT betonte gegenüber dem Holz-Portal, dass das Unternehmen diese Mittel auch tatsächlich habe. An der Pressekonferenz zur Versteigerung der in Konkurs gegangenen Sägerei Mayr-Melnhof Swiss Timber AG hatten verschiedene Medienvertreter die Frage aufgeworfen, wie ausgerechnet Klausner, der letztes Jahr wegen finanziellen Problemen zwei Sägereien in Deutschland an Illim Timber verkaufen musste, die hohe Summe von 20,05 Millionen Franken bezahlen könne. Fest steht, dass KHT die Anlage innerhalb von sechs Monaten demontieren muss. Wo sie neu zu stehen kommt, darüber hüllt sich KHT noch in Schweigen. Leibold: «Wir informieren in 14 Tagen.» Auch zur Frage, ob KHT die Anlage für einen Kooperationspartner ersteigert habe, wollte sich Leibold nicht äussern.
Neue Nutzung
Beatrice Baselgia, Grossrätin und Gemeindepräsidentin von Domat/Ems, erklärte am Montagabend, die Gemeinde Domat/Ems prüfe nun zusammen mit der Landeigentümerin, der Bürgergemeinde Domat/Ems, und dem Kanton Graubünden mögliche zukünftige Nutzungen des Areals. Der Weg sei frei für eine vielversprechende neue Entwicklung, da der Standort ausgezeichnet erschlossen sei. Allerdings kommt gemäss Zonenordnung nur ein holzverarbeitender Betrieb in Frage. Dies habe sie den Interessenten für das Baurecht mitgeteilt, so Baselgia. Eine Umzonung sei prinzipiell möglich, dauere aber lange. Kommt also eine kleiner dimensionierte Sägerei nach Domat/Ems? Andrea Florin, Präsident von Selva Waldwirtschaft Graubünden, meint auf Anfrage, dass es für einen Interessenten wohl schwierig werden wird, von der Bank Geld dafür zu erhalten. Die Bündner Waldbesitzer würden einem solchen Interessenten aber auf jeden Fall die gleiche Menge Rundholz zusichern wie Egger. Für sie sei der kurze Weg nach Domat/Ems entscheidend, nicht das Unternehmen
Ihr Kommentar zu diesem Artikel
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Login