24.11.2011 | Susanna Vanek

Hommage an den Schweizer Designpionier

Jacob Müller erfand Schicht- und Pressholzplatten sowie Werkzeuge zur Holzbearbeitung. Die von ihm entworfenen Möbelstücke sind in ihrer Formensprache heute noch aktuell. Er erfand Möbel, die man selber zusammenbauen kann – lange vor Ikea. Dennoch ist er nicht sehr bekannt. Eine Ausstellung von «Design und Design» im Architekturforum Zürich gibt da Gegensteuer.

Bild: Susanna Vanek
Die Ausstellungs-Initianten Joan Billing und Samuel Eberli mit Claude Lichtenstein (Mitte) sowie das Ehepaar Zürrer, das sich von Jacob Müller 1971 ein Haus in Pany bauen liess - eingerichtet wurde es mit Müller-Mobiliar.

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Wer hat es erfunden – ein Schweizer, natürlich. Jacob Müller (1905 – 1998) entwarf ab 1945 zerlegbare und leicht montierbare Möbelstücke, die dennoch sehr robust waren. Seine Idee war es, dass die Möbelstücke so leicht in die vom Krieg zerstörten Teile Europas gebracht werden konnten. Auch wenn sich das Konzept später bei Ikea bewährt hat, wurde Müller nicht reich damit. Doch nicht nur wegen dem Einfall, dass Besitzer ihre Möbel selber aufstellen können sollen, verdient Müller heute eine Ausstellung. Mit den schlichten, reduzierten, funktionalen Formen gehört Müller zu den Vorreitern des Schweizer Designs. Dass sein Name heute vielen nicht geläufig ist, liegt vielleicht daran, dass Müller ein Gegenstück zu einem Designer war, wie man ihn heute versteht. Sein Bestreben war es nicht, möglichst teure, sondern möglichst günstige und doch gute, solide Möbel herzustellen, er war nicht bemüht, aufzufallen. Seine Gartenhalle auf der Landesausstellung 1939 war unprätentiös gestaltet, schlicht, viel weniger glamourös als andere Beispiele von Kollegen, die etwa ein Zebrafell, ein grosses Waldgemälde oder einen Teich in ihre Einrichtung eingebaut hatten.

 Dennoch überzeugt sein Möbeldesign heute noch. Diesem Umstand verdankt Müller die aktuelle Ausstellung, die von Joan Billing und Samuel Eberli initiert wurde. Die beiden entdeckten eines Tages zwischen hohen Gestellen einen Holzstuhl, der offenbar dazu diente, die Bücher aus den oberen Regalen zu holen. Schlicht im Aussehen, mit einer stabilen Holzkonstruktion, strömte er eine Bodenständigkeit aus, die den beiden Designspezialisten auf Anhieb gefiel. Sie waren fasziniert von seiner eigenständigen Art und von seiner Holzverarbeitung. Obwohl über 60-jährig passte der Stuhl nahtlos in ihre heutige Einrichtung. Billing und Eberli wurden neugierig, begannen zu forschen. Weil es wenig Literatur über Müller gibt, wurden sie am besten bei seiner Familie und den Schreinern, mit denen er zusammengearbeitet hatte, fündig. Sowie bei einigen Personen, die seine Möbelstücke schon immer geschätzt hatten und sich sogar von ihm, dem Schreiner, Häuser hatten bauen lassen. Billing und Eberli zeigen in ihrer Ausstellung zahlreiche von Müller designte Möbel wie einen zerlegbaren Schrank oder das Plio-Set, einen Tisch mit zwei Hockern, die zusammengelegt werden können. Daneben hat der Enkel von Müller, Severin Müller, einen Schaukelstuhl seines Grossvaters in einer limitierten Serie nachgebaut. Zudem liessen Billing und Eberli das Plio-Set nachbauen, ebenfalls in einer limitierten Serie. Ganz spannend war die Gegenüberstellung des Schaffens von Müller mit demjenigen von modernen Designer wie Inch Furniture. Der Shanghai Stuhl 2010 hätte von Müller sein können.

Müllers liebstes Material war Holz.. Sein Umgang mit diesem Material war experimentell wie schonend. Er forderte das Material heraus und respektierte dennoch seine Eigenschaften. So erfand er Schicht- und Pressholzplatten und einen Vorläufer der Lättlicoach, eine Matratzenauflage aus federnden Eschenholzleisten. Seine Lust, Holz zu verarbeiten, prägte sein ganzes Leben. Schon als Bub hatte er in der väterlichen Zimmereiwerkstatt ein Fahrrad gebaut, das, ausser der Antriebskette, ganz aus Holz bestand. Sogar der Sattel war geschnitzt. Die beiden Scheibenräder bestanden aus feinjährigen Eschenbrettern. Später entwarf Müller zwar gerne auch die Kleidung, die er und seine Gattin trugen, er blieb aber dem Holz treu. Zwar erfand er auch ein System für Fertighäuser aus Holz, erfolgreich geschäftlich verwerten konnte er die Idee aber nicht. Es versteht sich von selbst, dass die ganze Einrichtung seines Eigenheims aus Holz bestand und er seinen Kindern Spielsachen aus Holz schenkte - er hatte sie natürlich selber gemacht.

Gestern Mittwoch 23. November 2011 fand die Vernissage der Ausstellung statt. Zahlreiche Gäste bewunderten Müllers Werk, darunter auch Schreiner, die für Müller gearbeitet hatten, oder Severin Müller, Enkel des Designer und heute selber Künstler. Zu den Rednern gehörte Claude Lichtenstein, der 1988 im Museum für Gestaltung Müller eine Ausstellung gewidmet hatte.  Zum Schaffen von Jacob Müller haben Billing und Eberli ein Buch herausgegeben.

Die Ausstellung an der Brauerstrasse 16 in Zürich ist noch am Samstag, 26. November 2011 von zehn bis 20 Uhr und am Sonntag, 27. November 2011 von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Gleichzeitig findet im grossen Vortragssaal des Kunsthauses Zürich der Salon für Vintage-Möbel statt.

www.designundesign.ch

Müller
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Der Enkel von Jacob Müller, Severin Müller, arbeitet ... mehr
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Samuel Eberli und Joan Billing bei ihrer Präsentat... mehr
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