BAUEN & MODERNISIEREN (Altbau-Modernisierung)
Schweizer Messe für Neubau, Umbau, Renovation, schöner Wohnen mehr...
Im Holzbau zeigt sich zunehmend ein Trend zu experimentellen Konstruktionen. Architektonisch innovative Entwürfe kombinieren oft Holz mit Glas, Stahl, Beton oder Kunststoffen. Gestalterische Vorgaben lassen mitunter den konstruktiven Holzschutz in den Hintergrund treten. Dies verlangt angepasste Konzepte für den Schutz von Holzoberflächen in Fassaden. Am Fortbildungskurs 2010 der SAH haben Fachleute unterschiedlicher Herkunft dieses Thema aufgegriffen und vertieft.
Durch gezielte Modifikationen lässt sich die Lebensdauer von Fassadenkomponenten mit Holz erweitern. Neue Beschichtungssysteme lassen neue Gestaltungskonzepte zu. Aber auch der klassische Schutz durch konstruktive Massnahmen und der Einsatz anderer Materialien bildete ein Thema. Rund 200 Teilnehmende aus den Fachbereichen Architektur, Ingenieurwesen, Holzbau und Fassadensysteme folgten den Ausführungen der Referierenden unter der eloquenten Tagungsleitung durch Christian Lehringer, Abteilung Holz der Empa Dübendorf. Der Tagungsband hält die entsprechenden aktuellen Erkenntnisse fest und dürfte erneut zum Standard für die nächste Zeit werden.
Holz sei kein natürliches Baumaterial, diese provokante Aussage machte Hrvoje Turkulin von der forstlichen Fakultät der Universität Zagreb (Kroatien) zu Beginn. Im Baum ist Holz nicht trocken und im Baum hat es gänzlich andere statische Aufgaben – z.B. Dynamik von Wind- und Schneelasten – als in Baukonstruktionen. Rinde schützt das Holz im Baum vor Sonne, Witterung, Pilzen und Insekten. Am Ende seines Lebenszykluses zerfällt Holz rasch. Ganz anders das entrindete und gesägte Bauholz: Es soll trocken bleiben, möglichst gleichbleibend altern und sich schon gar nicht abbauen. Daraus, so Turkulin, leiten sich die Probleme von Holz in Konstruktion und Aussenbau ab: Quellen und Schwinden, instabile Dimension, begrenzte Dauerhaftigkeit und wenn unbehandelt, kaum vollauf farbecht.
Schutzkonzepte
Die Holzbauer halten solchen Eigenheiten von Holz Schutzkonzepte entgegen: konstruktiver Holzschutz und Schutzmittel für Holzoberflächen. Die Grundsätze des konstruktiven Schutzes sind seit langem bekannt: Vordach, Sockel, gut geschützte und korrekt konstruierte Fenster- und Türöffnungen usw. Also Vermeiden von Staunässe, keine feinen Fugen, keine Bauteile, auf denen Wasser liegen bleibt. Komplexer sind die Fragen bei der Beschichtung von Fassaden mit Holz. Beschichtungsstoffe gibt es seit langem und für unterschiedlichste Ansprüche. Sie sollen in erster Linie den natürlichen Alterungsprozess von Holzoberflächen verzögern, besser noch verhindern. Aber Beschichtungsstoffe sind Halbfabrikate, dies betonte Wolfram Selter vom Verband der Schweizerischen Lack- und Farbenindustrie (VSLF). Ein Beschichtungsstoff ist nur dann dauerhaft, wenn er sach- und fachgerecht appliziert entsprechend trocknen kann. Beschichtungssysteme sollen Holz vor zu starker Feuchteaufnahme schützen, vor Durchfeuchtung, vor Quellen und Schwinden, vor Verwerfungen und Rissbildung, vor mechanischer Beschädigung (Hagelschlag), UV-Strahlung, Verschmutzung, Vergrauen und Pilzbefall. Billigkonzepte, so Selter, können im Blick auf dieses komplexe Anforderungsprofil nicht langlebig sein.
Alternativen
Seit geraumer Zeit besteht eine neuer Trend: Holzbauten mit Fassaden, die kaum mehr verraten, was darunter steckt. In der Schweiz hat kürzlich die so gebaute Monte Rosa Hütte Schlagzeilen gemacht. Was aber im Hochgebirge vor allem wirksames Schutzkleid ist, hat bei weniger exponierten Bauwerken ganz andere Motive. Die technischen und ökologischen Vorteile von Holz werden von Architekten und Bauherrn zwar geschätzt. Doch zählt im urbanen Raum gemütvolle Rustikalität weniger als stilvolle Eleganz und ein kühl zurückhaltendes Äusseres.
Zementfaserplatten, Verschalungen, Verputze usw., das ist bei Holzbaufassaden längst bekannt. Aber Glas, Stahl oder Aluminium sind dabei eine neue Erscheinung. So gestaltete Bauwerke wirken als kühle, moderne Unikate, passen zum urbanen Alltag und dürften auch in den kommenden Jahren kaum etwas von ihrer Frische einbüssen. Eine weit zurückreichende Tradition haben Produkte aus Faserzement – bekannt auch als Eternit. Vor hundert Jahren vorerst für Dacheindeckungen verwendet, ist Eternit heute auch für Fassadenbekleidungen bewährt. Es verrottet nicht, ist witterungsbeständig, nicht brennbar und praktisch unterhaltsfrei. Kein Wunder, wenn gerade auch für Holzkonstruktionen dieses Produkt beliebt war und ist. Elemente aus Faserzement sind heute bei unterschiedlichsten Holzbauten anzutreffen.
Beschichtungen
Die im Markt angebotenen Systeme und Produkte für das Beschichten von Holz sind sehr vielfältig. Selbst Fachleute tun sich schwer, Produkte zu beurteilen und zu wählen; für Bauherrschaften ist dies nahezu unmöglich. Denn die einzelnen Produkte werden mit unterschiedlicher Terminologie charakterisiert und deren Eigenschaften nicht einheitlich deklariert. Immerhin besteht seit einigen Jahren die europäische Normenreihe EN 927 (Beschichtungsstoffe und Beschichtungssysteme für Holz im Aussenbereich). Auch in der Schweiz gelten diese Normen, sie werden durch den SNV als SN-Normen (SN EN 927) herausgegeben. Wesentlich ist dabei ein auf die Anwender ausgerichtetes System zur Klassierung von Beschichtungen. Dazu dienen drei von den Produkten unabhängige Kriterien: Die vorgesehene Anwendung, das Aussehen und die Beanspruchungsbedingungen. Damit lassen sich Beschichtungen auch für Nichtfachleute anwendungsbezogen beschreiben und einordnen.
Martin Arnold (Empa, Abteilung Holz) präsentierte die dieser Normierung zugrunde liegenden Testmethoden. Er verwies auch auf das seit 2009 bestehende Gütezeichen der Lignum für Fassadenschalungen in Holz. Dieses bezieht sich ausdrücklich auf nicht fertig montierte Fassaden, denn deren Konstruktion und Montage ist ja vom Hobelwerk bloss beschränkt zu beeinflussen.
Technologietrends
Nanomaterialien gelten in vielen industriellen Bereichen als ein Versprechen der Zukunft. Entsprechende Entwicklungen sind im Gang, doch besonders bezüglich Dauerhaftigkeit sind noch Fragen offen. Als unsicher gelten zudem die möglichen Wirkungen von Nanomaterialien auf lebende Organismen, die Umwelt insgesamt oder in technischen Systemen. Mögliche Vorteile und Risiken werden systematisch untersucht, nicht zuletzt um Fehlinvestitionen der Industrie zu vermeiden. Die Empa ist in diversen Projekten engagiert, welche in den Bereichen der Abschätzung von Technikfolgen, Toxikologie, Analytik und Umweltchemie die künftigen Chancen und Risiken von nanobasierten Beschichtungen während des gesamten Lebenszyklus von Produkten erforscht.
Baupraxis und Forschung
Der zunehmende Trend, auf konstruktiven Holzschutz zu verzichten, fordert die Hersteller von Halbfertigprodukten und Fassadensystemen und erhöht die Ansprüche an eine Oberflächenbehandlung von Holzfassaden. Zahlreiche Voraussetzungen sind entscheidend für deren Qualität und Lebensdauer. Das beginnt bei der Wahl der Holzart, der Profile, der Art und Färbung der Oberflächenbehandlung und auch der technischen Ausführung vor Ort.
Wie wesentlich korrekte und dauerhafte Konstruktionen im Holzaussenbau sind, illustrieren die von Roger Müller (Verband Schweizer Hobelwerke VSH) genannten Produktionszahlen für die Schweiz: jährlich werden 8,5 Millionen m2 Hobelwaren produziert, davon rund 1,5 Millionen für den Aussenbereich. Hanspeter Fäh, technischer Berater bei der Lignum, stellte am Fortbildungskurs der SAH fest, dass die häufigsten Ursachen von Schäden an Holzfassaden bei der Oberflächenbehandlung zu suchen sind, dies noch vor den Einflüssen von Bauphysik oder mangelnder Ausführung. Kenntnisse der neuen Forschungsergebnisse, der Materialien bei Planern und Unternehmern sowie entsprechend motivierte Kommunikation zwischen Bauherrn und Planern sind wesentliche Voraussetzungen für eine langlebige und unterhaltsarme Bauweise vor allem auch im Bereich der Holzfassaden.
Der Tagungsband
Holzoberflächen in der Fassadengestaltung
Sämtliche Beiträge zum 42. Fortbildungskurs (2010) der SAH sind im Tagungsband erhalten. 260 Seiten, reich illustriert (s/w) mit Fotografien, Plänen und Diagrammen, Format A4, broschiert.
Verkaufspreis Fr. 60.- plus Versandspesen.
Zu bestellen über die Lignum, Falkenstrasse 26, 8008 Zürich (www.lignum.ch)
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