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Naturschützer laufen in Tschechien Sturm, weil der neue Leiter des tschechischen Nationalparks Šumava, Jan Stráský, im Kampf gegen den Borkenkäfer im Nationalpark Tausende von Bäumen fällen lässt. Support erhalten die Naturschützer, die vom tschechischen Präsidenten Václav Klaus als gefährlicher als Al Qaida tituliert werden, Support von den Verantwortlichen im Bayrischen Nationalpark und von der europäischen Federation der Nationalpärke, die das Vorgehen von Stráský in einer Mitteilung von heute klar verurteilt hat.
Jan Stráský war vom 2. Juli bis 31. Dezember 1992 der letzte Ministerpräsident der damaligen Tschechoslowakei. Nach der Teilung der Republik übte er eine Reihe weiterer Ämter aus, bis er sich 1997 aus der Politik zurückzog. Und dennoch ist er derzeit in Tschechien in aller Munde. Der 70-Jährige, der über keine Kenntnisse im Forstwesen verfügt, amtet seit diesem Jahr als neuer Chef des Nationalparks. Seine Berufung empfanden die tschechischen Naturschützer als grossen Affront, denn sie denken, dass Stráský bisher vor allem als Gegner des Nationalparks in Erscheinung getreten ist. So wird ihm der Satz zugeschrieben, er stimme nicht dafür, dass ein Drittel des Nationalparks dre Natur überlassen werde, auch wenn er nicht genau wisse, was darunter zu verstehen sei. Angeblich soll der ehemalige Politiker, der sich einen guten Ruf als Krisenmanager erworben hat, den Plan hegen, in Teilen des Nationalparks einer kommerzielle Holznutzung zu ermöglichen. Die Vertreter Gemeinden, die sich in der Region befinden, begrüssten die Ernennung indes.
Seit seiner Ernennung hat sich Stráský vor allem durch seinen radikalen Kampf gegen den Borkenkäfer hervorgetan. Tatsache ist, dass der Borkenkäfer im Nationalpark wütet. Deswegen hat Stráský beschlossen, im grossen Stil Bäume fällen zu lassen. Dagegen laufen die Naturschützer Sturm. Sie lassen sich an Bäume ketten, um das Fällen zu verhindern. Die Verantwortlichen des Bayrischen Waldes, der an den tschechischen Nationalparks anschliesst, betrachten die Ereignisse mit Sorge. Die beiden Nationalpärke pflegen seit Jahren eine intensive Zusammenarbeit. Die Aktion von Stráský widerspreche den Grundsätzen, nach denen der Wald gegründet worden war, geben die Deutschen jetzt zu bedenken. Der Passauer Karl Haberzettl, Vorsitzender der Internationalen Arbeitsgemeinschaft in Naturschutzfragen im Dreiländereck, hat ihnen vor einigen Tagen einen Solidaritätsbesuch abgestattet und sie mit einem grossen bayerischen Zvieri versorgt. «Unsere Freunde tun hier das Richtige», betonte Haberzettl in seiner Ansprache, die auch vom tschechischen Fernsehen gefilmt wurde.
Heute Freitag, 5. August 2011, hat sich nun auch die europäische Federation der Nationalpärke, Europarc, eingeschaltet. Sie bezeichnet die Bilder von Motorsägen in einem Nationalpark als beunruhigend und ruft die Parteien auf, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Die Organisation ist bereit, zwischen den Kontrahenten, der Leitung des Parks und den Naturschützern, zu vermitteln. Gleichzeitig warnt sie, die Fällaktion beeinträchtige in grossem Ausmass die Glaubwürdigkeit des tschechischen Nationalparks und der tschechischen Regierung. Sie widerspreche ganz klar den Grundsätzen von Nationalpärken. Im Herzen von Europa geschehe ein Unrecht.
Dieweil der tschechische Präsident Václav Klaus sich mit zweifelhaften Äusserungen hervortut - er behauptet, Naturschützer seien gefährlicher als Al Qaida - , ruft der tschechische Aussenminister Karel zu Schwarzenberg, der gelernter Förster ist, zu einem Dialog unter Einbezug von Wissenschaftlern auf. Den Nationalparkdirektor verglich er mit einem Krankenhauschef, der ledlich ein Heilverfahren zulässt und jeden, der dagegen protestiert, rauswirft.
Stráský will nicht verhandeln. Er verweist darauf, dass die Zeit knapp ist. In etwas mehr als einer Woche soll der Borkenkäfer ausschwärmen, lautet sein Argument. Bisher sollen mehr als 2000 Fichten gefällt worden sein. Die Gemeindevertreter der Region unterstützen Stráský.
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