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Der Kanton Tessin verfügt über viel Wald, dessen Holz ist aber zum grössten Teil von minderer Qualität, das billig verkauft werden muss. Um seiner Funktion als Schutzwald gerecht werden zu können, muss der Wald aber entsprechend gepflegt werden. Um diesen Spagat zu schaffen, setzt der Tessiner Dachverband der Holzbranche, Federlegno, auf Zusammenarbeit und die Holzenergie.
Gemäss dem letztes Jahr veröffentlichten Nationalem Waldinventar verfügt der Kanton Tessin über den grössten Waldanteil der Schweiz. Ganze 53 Prozent seiner Fläche sind von Wäldern bedeckt. Jede Minute wächst diese Holzmasse um 1,3 Kubikmeter. Allerdings wird der Rohstoff im Tessin bisher noch zu wenig genutzt. Die Gründe dafür sind vielfältig. So ist ein grosser Teil der Holzernte von minderer Qualität und es fehlen Abnehmer, die gute Preise zahlen würden. Im ganzen Kanton gibt es nur eine einzige grössere Sägerei, ein bedeutender Teil des Rundholzes wird nach Italien verkauft. Einige Schwierigkeiten sind auch hausgemacht. So ziehen Tessiner Betriebe der Holzbranche bei öffentlichen Ausschreibungen häufig den Kürzeren.
In dieser Situation steckt der italienische Dachverband Federlegno den Kopf nicht in den Sand, sondern handelt. Indem er zum Beispiel aktives Lobbying für das Holz betreibt. Mit einigem Erfolg. So konnte Federlegno kürzlich die SBB überzeugen, auf einer Strecke von 60 Kilometern Lärmschutzwände aus Tessiner Lärchenholz zu realisieren.
Fulvio Giudici, Direktor von Federlegno, betont, dass sich die Tessiner Holzbranche der Realität stellen müsse. Und die ist, dass 50 bis 70 Prozent der Holzernte sich nur als Energieholz eignen. «Wir müssen den Bereich der Holzenergie unbedingt stärken», ist er überzeugt. Das richtige Mittel dafür sei die Kooperation. In der Region Lugano haben sich fünf öffentliche und private Forstbetriebe zu einer AG zusammengeschlossen, die in erster Linie auf die Holzenergie setzt, die Energia Del Legno Sagl.
Im Rahmen eines regionalpolitischen Projektes wird momentan geprüft, wie die Wertschöpfung des Holzes im Kanton generiert werden kann. Dabei wird auch der Frage nachgegangen, ob dafür Betriebe angesiedelt werden sollten Giudici hält diese Überlegungen für löblich, aber wenig realistisch. «Bei der bei uns vorherrschenden Holzqualität müssen wir uns auf die Holzenergie fokussieren», gibt er zu bedenken, «der Holzenergie gehört schliesslich die Zukunft.»
Weiter denkt er, dass, weil die Betriebe im Tessin klein sind, die Kooperation umso wichtiger ist. In der Region Locarno arbeiten mehrere Forstbetriebe im Rahmen eines Pilotprojektes zusammen. Giudici betont, dass dieses Pilotprojekt auch für den Rest der Schweiz von Interesse sein könnte. Die Tessiner Holzbranche umfasst ungefähr 300 Betriebe mit 1600 Angestellten und 200 Lehrlingen.
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