In einem Interview spricht Hansruedi Streiff über die Schweizer Holzbranche. Hier können Sie das Videointerview auch als Text nachlesen.
SHZ: Gemäss dem Bundesamt für Statistik wurde im 2009 3 Prozent weniger Rundholz eingeschnitten als im 2008. Wie deuten Sie diese Zahl und was bedeutet sie für die Branche?
Hansruedi Streiff*: In Anbetracht der Wirtschaftskrise sind die 3 Prozent ein sehr gutes Resultat. Die Rückgänge in Deutschland oder Österreich waren weit stärker.
SHZ: Ihr Verband spricht immer wieder die Rundholzknappheit an. Verschiedene Fakten belegen diesen Mangel, zum Beispiel die Tatsache, dass die Rundholzimporte im Juni 2010 im Gegensatz zu den Vorjahren nicht gesunken sind. Was bedeutet diese Verknappung für Ihre Mitglieder?
Streiff: Der Rohstoffpreis wird angeheizt, auf dem Schnittholz ist wegen der Euroschwäche keine parallele Entwicklung möglich. Das bedeutet, dass die Ertragssituation sehr angespannt und die Versorgung kritisch ist. Weitere Transporte sind teuer und auch keine Lösung. Das führt zu einer mangelnden Auslastung. Es kommt so weit, dass Unternehmen Aufträge ablehnen müssen.
SHZ: Und was für die Schweizer Volkswirtschaft?
Streiff: Die Schweiz nutzt die Chance nicht, Marktanteile mit Holz zu gewinnen. Wir haben mehr Holz im Wald stehen, als unsere Bevölkerung konsumiert. Das gibt Spielraum für mehr Produktion, mehr Export und einen höheren künftigen Inlandverbrauch. Wir könnten mehr Arbeit im dezentralen Raum gewährleisten.
SHZ: Wie will Ihr Verband das Problem angehen?
Streiff: Ein schöner Teil der Rundholz-Verknappung ist politisch motiviert: unser Forstdienst behandelt die Waldfunktion nicht ausgewogen – Naturschutz wird massiv überbetont, Holz vernachlässigt. Wir unternehmen politische Vorstösse gegen unnötige Bewirtschaftungsauflagen, Reservate und dergleichen. Wir überlegen auch, wie wir kommunikativ besser zur Geltung kommen. Die Behörden sind nach aussen neutral, die Verbände sind plumpe Interessenvertreter – so das Klischee, selbst dann wenn die Behörde wirklich einseitig ist (wie eben das BAFU im internationalen Vergleich). Wir müssen mehr mit allen anderen Rohstoffverbrauchern zusammenarbeiten und dafür kämpfen, dass die Schweiz kein grünes Forstbeamtenparadies wird.
SHZ: Im Vergleich zu anderen Verbänden der Holzbranche, zum Beispiel dem VSSM, ist Ihr Verband personell eher knapp dotiert. Wünschen Sie sich manchmal, Sie hätten mehr Leute?
Streiff: Wir sind schon ganz schön eingespannt aber die Teamgrösse ist natürlich auch eine Frage der angebotenen Dienstleistungen. Wir haben zum Beispiel keine AHV-Abrechnung und auch kein Kurs- oder Verlagswesen.
SHZ: Ihnen, Herr Streiff, kann man gewiss nicht vorwerfen, nicht kämpferisch genug zu sein, wenn es um die Anliegen der Schweizer Holzindustrie geht. Sollten Sie sich aber nicht besser mit anderen Verbänden, in erster Linie dem Waldwirtschaftsverband Schweiz WVS vernetzen, um eine bessere Rundholzversorgung zu erreichen?
Streiff: Wir führen regelmässig Gespräche mit der Waldwirtschaft, in der Hoffnung sie würden die Waldeigentümer zur Nutzung motivieren. Aber die Situation ist sehr asymmetrisch: den 250 Sägern stehen Tausende Leute gegenüber, die im Wald mitreden. Nicht alle sind gut informiert. Irgendein Förster sagt am Tag X, die Preise seien im Keller – via Tagespresse gelangt das auch zu Privatwaldeigentümern, bei denen die Glaubwürdigkeit des Försters viel gilt – und schon ist die Motivationsarbeit vernichtet. In der Holzmarktkommission hören wir auf unsere Nutzungsaufrufe, die Waldwirtschaft sei kein Konzern. Das stimmt natürlich. Umso mehr müssen wir über die Kommunikation bewirken.
SHZ: Ist es in diesem Zusammenhang ein Vorteil oder Nachteil, dass Sie selber auch Geschäftsführer des Verbandes der Forstunternehmer sind?
Streiff: Ich sehe das als Vorteil für die Säger und für die Forstunternehmer. Die Holzseite hat mehr Zugang zur Forstpolitik, die Forstunternehmer bekommen Rückendeckung von ihren «hölzigen» Unternehmerkollegen und das Netzwerk eines grösseren Verbandes.
S HZ: In der Öffentlichkeit geniesst Holz einen ausgezeichneten Ruf, nicht zuletzt auch dank der intelligenten Werbemitteln für Schweizer Holz von Lignum, das Holz als Tennisball, als Sackmesser oder als Teil eines Bergkristalls zeigt. Müsste man die Öffentlichkeit nicht auch vermehrt dafür sensibilisieren, dass Wald nicht Biodiversität und Naherholung, sondern auch Holzwirtschaft bedeutet oder bedeuten sollte?
Streiff: Damit wäre ich voll einverstanden. Wir haben jetzt auch den Stand über den Waldnutzen des WVS an der Olma unterstützt. Ich erwarte hier klar mehr vom BAFU als das Zelebrieren der Biodiversität.
SHZ: Und wie steht es mit den Politikern? Haben diese genug Kenntnis von der Rundholzverknappung in der Schweiz und des nahen Auslandes?
Streiff: Die Politik ist mit der Verknappungsthematik nicht vertraut.
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