30.11.2012 | Susanna Vanek

Der Bund kauft im Ausland ein

Gewerbler und Gewerkschafter sind empört: Jetzt kauft auch der Bund im Ausland ein. Den Auftrag über 1,5 Millionen für neue Fenster des Bundeshauses Ost erhält eine tschechische Firma.

Bild: Susanna Vanek
Ruedi Lustenberger im Berner Bundeshaus.

Ärger unter der Bundeshauskuppel: Gemäss Blick.ch wurde dem Luzerner Nationalrat und VSSM-Präsidenten Ruedi Lustenberger zutragen, dass demnächst im Bundeshaus Ost neue Fenster eingebaut werden. Im dortigen Bundeshaustrakt amten Verteidigungsminister Ueli Maurer und Verkehrsministerin Doris Leuthard. Schön, könnte man denken. Denn natürlich, würde man annehmen, dass das für die Autragsvergabe zuständige Bundesamt für Bauten und Logistik BBL den Auftrag an eine Schweizer Firma vergeben hat. Dass so Schweizer Holz verbaut werde. Immerhin handelt es sich um ein Auftragsvolumen über 1.555 Millionen Franken.

Gemäss Blick.ch handelt es sich bei den bestellten Fenstern jedoch um Produkte, die in Tschechien hergestellt werden. Nach aussen hin tritt als Auftragnehmerin eine Schweizer Firma auf, und zwar die Antikhaus  (Schweiz) Historische Fenster GmbH in Zürich. Diese ist aber bloss eine Ablegerin einer Firma, die in Deutschland gegründet wurde. Hergestellt werden die Fenster von der Antikhaus spol s.r.o. in Rychnov in Tschechien. Offen ist, ob dem BBL bei der Auftragsvergabe, die nach WTO-Regeln erfolgte, alle diese Zusammenhänge bekannt waren.

Gegenüber Blick.ch zeigt sich Lustenberger über diesen Auftrag verärgert. In der Fragestunde vom kommenden Montag will er vom Bundesrat wissen, wie es zum Auftrag kam, von dem er keine Ahnung hatte. Ebenfalls noch behandelt wird eine Frage von Nationalrätin Sylvia Flückiger-Bäni. Sie möchte vom Bundesrat erfahren, wie es um das Geschäft ihrer letztes Jahr eingereichten Interpellation stehe. Letztes Jahr hatte der Bundesrat Flückiger-Bäni geantwortet, er sei bereit zu prüfen, ob im öffentlichen Beschaffungswesen für Bundesbauten mindestens eine Projektvariante vorzulegen ist, die den Rohstoff Holz angemessen bevorzugt. Flückiger-Bäni will dazu wissen, ab wann der Bund Schweizer Holz verlangen wird.

Gemäss Blick.ch sind auch die Gewerkschaften verärgert. Unia-Gwerkschafter Corrado Pardini will in der Fragestunde vom Bundesrat wissen, ob bei der Vergabe bekannt wr, das die Fenster in Tschechien hergestellt werden und wie der Bundesrat garantiere, dass die tschechische Firma die Arbeitsgesetze einhalte.

Schweizer Holzzeitung 2014
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