Betrieb

23.09.2010 Susanna Vanek

Absenzenmanagement

Unfälle und Krankheiten verursachen menschliches Leid bei den Betroffenen, aber nicht nur das. Fallen Mitarbeitende unerwartet aus, dann kostet das das Unternehmen einiges, und zwar nicht nur an Nerven, weil vieles umdisponiert oder anders organisiert werden muss, sondern auch ganz konkret Geld. Darum lohnt sich eine konsequente Unfallprävention – und ein Absenzenmanagement.

Bild: DAK/Schläger
Aus Unfällen kann man lernen.

Fehlende Mitarbeitende sind sehr teuer
Fachleute haben es ausgerechnet: Statistisch gesehen ist jeder 20. Mitarbeitende nur dazu da, die Arbeit seiner kranken oder verunfallten Kolleginnen und Kollegen zu erledigen. Bei Betrieben mit erhöhter Unfallgefahr ist es sogar jeder 15. Mitarbeitende. Das verursacht Kosten. Die Suva hat diese für einen Betrieb mit 700 Beschäftigten ausgerechnet. Sie ging dabei von 80 Unfällen jährlich aus, 55 Arbeitsunfällen und 25 Freizeitunfällen. Diese verursachen dem Betrieb gemäss Suva Kosten von 7,83 Millionen Franken. Bei einer Gewinnmarge von 10 Prozent bedeutet das, dass das Unternehmen 78 Millionen Franken Umsatz erzielen muss, um diese Kosten wieder auszugleichen. Geht man davon aus, dass ein Betrieb sieben Mitarbeitende beschäftigt, und dass diese je einen Berufsunfall und einen Freizeitunfall erleiden, dann belaufen sich die direkten und indirekten Folgekosten auf knapp 80 000 Franken. Bei einer Gewinnmarge von zehn Prozent bedeutet das, dass das Unternehmen einen Umsatz von 783 000 Franken erwirtschaften muss, um die Kosten auszugleichen. Auf www.suva.ch/home/suvapro/absenzenmanagement/ kostenrechner. htm kann jeder Betrieb selber ausrechnen, was ihn Berufs- und Freizeitunfälle kosten. Doch die Kosten sind nicht alles. Fällt jemand aus, dann erhöht das den Stress für die Kolleginnen und Kollegen. Das Perfide daran ist, dass dieser Stress die zusätzliche Unfallgefahr erhöht, was die Kostenspirale nochmals nach oben treibt. Ein Teufelskreislauf.  

Absenzen können matchentscheidend sein
Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in denen es zu sparen gilt, müssen häufige Absenzen der Mitarbeitenden den Vorgesetzten ein Dorn im Auge sein. Sie sind denn auch gefordert, wenn es darum geht, unfall- und krankheitsbedingte Abwesenheiten zu reduzieren. Das geht nur in Verbindung mit präventiven Massnahmen. Gerade im Baugewerbe gibt es einige Firmen, die ein gutes Absenzenmanagement betreiben und die deshalb auch Vorbilder für die Betriebe der Holzbranche sein könnten. Das Unternehmen Schlagenhauf, etwa, führt seit 2003 ein Absenzenmanagement. «Der Grund dafür waren die massiv gestiegenen Ausfallzeiten», erläutert Rolf Schlagenhauf, CEO der Firma, «wir rechneten aus, dass pro Kopf und Jahr bald einmal zwei Wochen Absenzen anfallen würden. Dieser Entwicklung wollten wir nicht tatenlos zusehen, weil uns die ansteigenden Sozialversicherungsprämien früher oder später finanziell das Genick gebrochen hätten.»  

Der Automatismus der Ärzte
Aufklären statt ausspionieren, auf diese Maxime setzte Schlagenhauf. Das Unternehmen startete eine Informationsoffensive und orientierte die Mitarbeitenden regelmässig darüber, wie viele Ausfallzeiten monatlich aufgelaufen waren. An den Betriebsversammlungen wurden die Versicherungsprämien offen gelegt. In der Personalabteilung werden die Absenzen nicht nur erfasst, sondern auch statistisch ausgewertet. Weiter setzte Schlagenhauf auf die Motivation. Wer das ganze Jahr nie fehlt, bekommt eine Prämie von 500 Franken. Nicht bewährt hat sich hingegen, dass Angestellte ab dem ersten Fehltag ein Krankheitszeugnis vorweisen müssen. «Das zwang unsere Mitarbeitenden, auch bei banalen Erkrankungen den Arzt aufzusuchen. Unsere Erfahrung hat uns gezeigt, dass dieser sie sicherheitshalber gleich mehrere Tage krank schrieb.»  

Besseres Betriebsklima
Seit sie sich konsequent dem Absenzenmanagement widmet, konnte die Firma Schlagenhauf die Ausfallstunden um 75 Prozent reduzieren. Doch nicht nur deshalb bezeichnet der CEO das Vorgehen als vollen Erfolg. «Unser Betriebsklima ist auch besser geworden», freut er sich. Weil zu einem guten Absenzenmanagement die Prävention unbedingt dazu gehört, erhielten alle Mitarbeitenden eine ihrer Tätigkeit angepasste Schutzausrüstung. Das signalisierte ihnen, dass dem Unternehmen ihr Wohl am Herzen liegt. Bei Ausfällen, die länger als zwei Tage dauern, nimmt der Betrieb Kontakt mit dem Erkrankten auf – als Zeichen, dass man sich Sorge mache, nicht um zu kontrollieren. Das kommt gut an. Bei längeren Abwesenheiten erleichert die Firma den Betroffenen den Wiedereinstieg. Anton Hanselmann, Personalverantwortlicher der Bauunternehmung Frutiger AG, mag den Terminus Absenzenmanagement nicht. Er spricht lieber von einem Anwesenheits- oder Gesundheitsmanagement. Aktiv angewendet werde dieses bereits bei einer Anstellung, bei der Interessenten genau evaluiert werden. Die Sicherheit ist der Bauunternehmung wichtig, die Angestellten werden diesbezüglich regelmässig geschult. Frutiger stellt ihnen nicht nur spezielle Arbeitskleider, sondern auch Unterwäsche, Sonnencremen und Hautschutzcremen zur Verfügung. Chefs sollen umfassend zu ihren Teams schauen, lautet die Meinung. Verunfallt doch jemand, gilt: «Kümmern und nicht verkümmern», das heisst, dass die Firma auch bei längeren Absenzen mit den Angestellten in Kontakt bleibt und versucht, sie wieder ins Arbeitsleben zu integrieren. All diese Massnahmen sind erfolgreich, sie führten dazu, dass Frutiger im Branchenvergleich viel weniger Unfälle verzeichnet und dass Fälle, die bei der IV landen, auf ein Minimum reduzieren konnten.

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Nützliche Links:

Aus Unfällen kann man lernen
Bei Unfällen gibt es nicht nur den wirtschaftlichen Faktor, sondern auch menschliche zu berücksichtigen. Schwere Unfälle sind schlicht tragisch, tödliche besonders schlimm. Um solche Unglücksfälle zu vermeiden, hat die Suva das Programm «Vision 250 Leben – neue Impulse für die Arbeitssicherheit» lanciert. Dabei haben Spezialisten schwere Unfälle, die in den letzten Jahren passiert sind, analysiert und daraus interessante und allgemein gültige Schlussfolgerungen gezogen, wie solche Unfälle in Zukunft vermieden werden können. Die Überlegungen werden gut veranschaulicht und Betriebsleiter bekommen wertvolle Tipps für ihren Arbeitsalltag. Die Hinweise, was man aus Unfällen lernen kann und wie diese vermieden werden können findet man im Internet unter www.suva.ch/home/ suvapro/branchenfachthemen/ aus_unfaellen_lernen.htm.  

Die Suva hat sich ebenfalls mit den Absenzen beschäftigt. Unter www.suva.ch gibt es dazu eine eigene Rubrik. Dort können Firmen ausrechnen, wie viel sie pro Jahr für das Fehlen ihrer Mitarbeitenden bezahlen. Damit die Vorgesetzten an dieser Situation etwas positiv ändern können, finden sie einen Werkzeugkasten zum Thema.
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Schweizer Holzzeitung 2012
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